 |
 |
| |
| |
|
|
| Die
Anlandebecken |
|
|
|
Die 38 ha umfassenden Absetzbecken
Hohenau-Ringelsdorf waren Teil der Zuckerfabrik.
Die Anlandebecken nahmen den von den Zuckerrüben
abgewaschenen Schlamm auf, der heutige Kühlteich
war ein "Stapelbecken", in dem Abwässer
geklärt wurden. Vogelkundliche Forschungen ergaben,
daß dieses Gebiet von großer Bedeutung für
durchziehende Vögel ist und lieferten die Grundlage
zur Erhaltung des Feuchtgebietes, das nun öffentlich
zugänglich ist. Das Mosaik aus seichtem Wasser,
feuchtem und trockenem Schlamm sowie einer dichten Vegetation
wird durch regelmässige Pflege erhalten. Die Anlandebecken
ersetzen so jene Lebensräume, die ehemals an der
unregulierten March vorkamen. Zur Zugzeit stellen sie
österreichweit einen der wichtigsten Rastplätze
und Nahrungsgebiete für Watvögel (Limikolen)
dar.
|
|
 |
|
vergrößern
|
|
 |
|
|
| Anlandebecken
als Ersatzlebensraum für Watvögel |
|
|
Wohin mit
der Erde, die anfällt, wenn die Zuckerrüben
vor ihrer Verarbeitung gewaschen werden? Bis zu Anfang
der 1990er Jahre wurden alljährlich einige Hektar
wertvoller Feuchtwiesen und überschwemmter Äcker
unter drei Metern aufgeschlämmter Rübenerde
begraben - die Bezeichnung für diese Flächen:
Anlandebecken.
Blickt man in Richtung Zuckerfabrik, ist die bisher übliche
Nachnutzung der Anlandebecken zu erkennen: großflächige
Ackersteppe, hochwassersicher. Intensive vogelkundliche
Forschungen seit 1992 bewiesen die hohe Wertigkeit der
schlammigen Anlandebecken als Ersatzlebensraum für
Watvögel. Insgesamt konnten bereits 30 verschiedene
Limikolen-Arten
nachgewiesen werden, mache von ihnen rasten in Beständen,
wie sie in Österreich sonst nur an den großen
Rastplätzen am Neusiedler See und am Bodensee bekannt
sind!
Es galt daher, der Ackerlandgewinnung ein Vogelschutzgebiet
als Alternative gegenüberzustellen. Nach langen Verhandlungen
wurde ein Pachtvertrag mit dem Besitzer, der Stiftung
Fürst Liechtenstein, unterzeichnet. Der Distelverein
konnte aus Mitteln eines EU-Projektes die Flächen
für 10 Jahre - bis zum Jahr 2008 - anpachten. Nun
wird gezielte Vogelschutzarbeit geleistet. |
|
 |
|
vergrößern
|
|
 |
|
|
| Schlamm
als Lebensraum |
|
|
Vor 100
Jahren bahnte sich die March ihren Weg durch eine fünf
Kilometer breite Stromlandschaft. Weite Flächen
versanken jährlich im Hochwasser, in Trockenperioden
kamen Schlickflächen, Sandbänke und vegetationslose
Inseln zum Vorschein. Die Regulierung der March war seit
Beginn des 19. Jahrhunderts geplant, 1964 wurde sie abgeschlossen.
Die Situation nach 1964: 17 Mäanderschlingen abgeschnitten,
die Überschwemmungsgebiete auf ein Fünftel der
ursprünglichen Ausdehnung reduziert. Durch Verbauungen
wurde jede Verlagerung des Flußbettes sowie die
Entstehung von Inseln unmöglich gemacht.
Noch immer leben Massen von Insektenlarven, Würmern
und kleinen Wirbellosen im Schlamm der Flüsse - aber
unerreichbar für eine Gruppe von weltweit etwa 200
Vogelarten, den Watvögeln oder Limikolen.
Diese sind an das Leben im Übergangsbereich von Land
zu Wasser angepaßt, im verbauten Fluß fehlt
dieser Lebensraum. |
|
 |
|
vergrößern
|
|
 |
|
|
| Beckenmanagement |
|
|
Der Verein
AURING hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf 38 Hektar
Fläche mit möglichst einfachen Mitteln (Häckseln,
Grubbern, Fluten) einen Schlammlebensraum - und damit
einen Rastplatz für Watvögel (Limikolen) - zu
erhalten. Eine Funktion, die unter natürlichen Bedingungen
der Fluß selbst erfüllen würde. Das Wasser
zum Befluten der Becken stammt aus der March und wird
mit Hilfe der Zuckerfabrik direkt auf die Flächen
Die vernäßten Flächen bleiben vorerst
frei von Vegetation und sind wichtige Brut- und Nahrungsstätten
für Watvögel. Auf den "nackten" Boden
legen Kiebitz und Flußregenpfeifer
ihre hervorragend getarnten Eier in kleine Nestmulden.
Auf dem feuchten Schlamm und im seichten Wasser herrscht
reges Insektenleben Nahrungsquelle für die
durchziehenden Watvögel auf ihrer weiten Reise. |
|
 |
|
vergrößern
|
|
 |
|
|
| Vegetationsentwicklung
und Vögel |
|
|
Nach ein
bis zwei Jahren beginnen auf dem Schlamm, inselartig verteilt,
"Pionierpflanzen"
zu wachsen. Darunter befinden sich auch seltene und eindrucksvolle
Arten wie der Rote Gänsefuß und der Stechapfel.
Typische Vögel dieses Stadiums sind Rotschenkel,
Feldlerche und Schafstelze.
Danach verdichtet sich der Pflanzenwuchs. Das typische
Dickicht aus den schnellwüchsigen Arten Weißer
Gänsefuß und Glanz-Melde kann bis zu drei Metern
hoch werden.
Diese fast undurchdringliche Vegetation des "Gänsefußdschungels"
ist ein wichtiger Brut- und Durchzugsplatz für Singvögel
der Feuchtgebiete. Regelmäßig anzutreffen sind
Blaukehlchen, Schilfrohrsänger, Sumpfrohrsänger
und Rohrammer.
|
|
 |
|
vergrößern
|
|
Beginnt
die typische Schlammvegetation einer "Allerweltsvegetation"
(mit Brennesseln und Holler) zu weichen, wird das Becken
wieder reif für die Flut.
Der Zyklus Überschwemmung - Schlamm - Pioniervegetation
beginnt aufs neue. Da jedes Jahr andere Becken geflutet
werden, ist jeder Flächentyp in jedem Jahr vorzufinden.
Becken, die nicht ausreichend unter Wasser gesetzt werden
können, werden gehäckselt und anschließend
im Winter gegrubbert. Der offene Boden kann wieder von
Pionierpflanzen der Gänsefußfamilie bewachsen
werden. |
|
 |
|
vergrößern
|
|
|
|
|
|
|
|
|
© 2005 auring.at
|
|