Das Zugverhalten der Höckerschwäne in Österreich ist durch intensive Ablesungen beringter Vögel durch Ornithologen von BirdLife gut bekannt. Wie die beiliegende Ringfundkarte belegt, kommen die in Österreich überwinternden Höckerschwäne aus einem gut abgegrenzten Bereich Nordosteuropas vom östlichsten Deutschland über Tschechien und Südpolen bis Westungarn. Nur in Härtewintern (wie heuer) kommen auch Schwäne aus weiter entfernten Gebieten bis Weißrussland zu uns. Manche Schwäne ziehen im Laufe des Winters weiter bis Slowenien und gar Kroatien. Für das in der aktuellen Diskussion vorgebrachte Szenario, die Schwäne hätten das Virus vom Schwarzen Meer oder Italien zu uns gebracht, gibt es keinerlei Hinweise. Der Großteil der Schwäne (und wahrscheinlich auch der Todesfall in Wien) sind seit Mitte Dezember durchgehend im Gebiet anwesend. Auch konnte über den Februar witterungsbedingt kaum Zuzug „neuer“ Schwäne dokumentiert werden. Der Rückzug setzt erst mit dem Beginn frühlingshafter Bedingungen ein.
Der Ausbruch der Vogelgrippe an Schwänen fällt mit dem Winterende mit einer Zeit zusammen, in der die Konstitution der Vögel nach einem harten Winter schwach ist. Tote Höckerschwäne sind im Februar daher kein seltener Anblick. Wie das Virus in die Wasservogelbestände bei Wien und Mellach eingedrungen ist, kann derzeit nicht sicher geklärt werden. Möglich erscheint, dass die lange verweilenden Höckerschwäne oder andere Wintergäste das Virus in der niederpathogenen Form eingebracht haben und dieses hier unter der sehr beengten Situation an einer Winterfutterstelle zum hochpathogenen Virus mutierte.
Personen, die etwa beruflich engen Kontakt mit Vögeln haben, sollten zur Vorbeugung gegen eine Infektion mit der Vogelgrippe vor allem folgende Punkte beachten:
- Entscheidende Maßnahme ist eine ausreichende Handhygiene nach dem Kontakt mit Vögeln oder Vogelkot. Gründliches Händewaschen ist daher eine wichtige Schutzmaßnahme.
- Nach intensivem Kontakt mit Vögeln (auch Hausgeflügel) sollte auch die Kleidung gewechselt und gewaschen werden.
- Auf eine strikte Trennung zwischen Ess- und Wohnraum sowie Räumlichkeiten mit Vögeln, die infiziert sein können, ist zu achten.
- Tote Wasservögel sollten nicht mit der bloßen Hand untersucht oder fortgetragen werden.
Die Beobachtung freilebender Wildvögel ist völlig unbedenklich, eine Ansteckung kann nicht erfolgen. Auch die Fütterung von Vögeln ist unbedenklich, solange – vor allem bei der Fütterung von Wasservögeln – ein intensiver Kontakt mit Kot vermieden wird. Singvögel sind bisher als Vogelgrippe-Opfer nur ausnahmsweise nachgewiesen worden, meist in unmittelbarer Nähe verseuchter Geflügelhaltungen in Südostasien. Auch Untersuchungen der AGES an 350 Singvögeln der Beringungsstation Ringelsdorf im Jahr 2003 erbrachten keinen Nachweis der Vogelgrippe. Daher geht auch von den in Gärten oder am Haus brütenden Vögeln keine Gefahr aus. Die Befürchtung, dass hochpathogene Vogelgrippe-Viren durch Weißstörche eingeschleppt werden, die auf Gebäuden brüten, ist ebenfalls ungerechtfertigt. Es gibt keine Hinweise darauf, dass gesunde, mit der Brut beschäftigte Vögel Träger der hochpathogenen Vogelgrippe sein können. Auch ist der H5N1-Virus beim Weißstorch noch nie nachgewiesen worden.
Die Vogelgrippe richtet vor allem in Geflügelhaltungen großen wirtschaftlichen Schaden an und kann in manchen Fällen – wie etwa am Quinghaihu-See in China – auch die Bestände mancher Wildvögel drastisch reduzieren. Für den Menschen besteht vor allem unter den europäischen Lebensbedingungen nur eine extrem geringe Gefahr, sich mit Vogelgrippe anzustecken. Die Ausbreitung dieser Krankheit sollte mit dem nötigen Ernst verfolgt und Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen werden. Unüberlegte Hysterie, die Menschen in Angst versetzt und Vögel als Gefahr abstempelt, ist jedoch nicht angebracht.
Zusammenstellung:
D.I. Thomas Zuna-Kratky
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