Aktivitäten der Beringungsstation
Singvogelberingung an den vogel.schau.plätzen
Limikolenberingung an den vogel.schau.plätzen
Beringungsübersicht
Versuchstunnel: Vermeidung von Vogelanprall an Glasflächen
Aktivitäten der Beringungsstation    

Schwerpunkt der Forschungsarbeit ist die Singvogelberingung in den undurchdringlichen, nährstoffreichen Ruderalfluren der Anlandebecken. Ein spezielles Projekt befasst sich mit der Beringung von Watvögeln (Limikolen). Andere Beringungsaktivitäten befassen sich vor allem mit Schwarzstörchen, Rallen und Eulen.

 
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Singvogelberingung an den vogel.schau.plätzen    
Es gibt kaum wo einen Ort, an dem "Gstättn"-Vegetation und das, was ihre Reize für Singvögel ausmacht, so gut untersucht werden kann wie an den Absetzbecken Hohenau-Ringelsdorf. Das Innere der Gänsefuß- und Melden-Gestrüppe hat im Kleinen den Stockwerkaufbau eines Laubwaldes: in der unteren Region kahle Stämme, oben ein dichtes Blätterdach. Welche Vögel leben in diesen Wäldern, die im Herbst zusammenbrechen und in wenigen Wochen im Mai und Juni wieder eine Höhe von zwei Metern erreichen? Mit Hilfe des wissenschaftlichen Vogelfanges und der Beringung können diese undurchdringlichen und schwer einsehbaren Lebensräume erforscht werden. Die Vögel werden schonend mit dem Japannetz gefangen, in einem Leinenbeutel zur Beringungsstation gebracht und hier beringt, vermessen, gewogen und wieder freigelassen.

Die 10 häufigsten Arten, allesamt Bewohner der Gänsefuß-"Gstättn" und die entsprechenden Fangzahlen:

Sumpfrohrsänger Acrocephalus palustris
3.804
Feldsperling Passer montanus
2.992
Schilfrohrsänger Acrocephalus schoenobaenus
2.528
Rohrammer Emberiza schoeniclus
1.783
Zilpzalp Phylloscopus collybita
1.316
Dorngrasmücke Sylvia communis
965
Heckenbraunelle Prunella modularis
702
Neuntöter Lanius collurio
613
Teichrohrsänger Acrocephalus scirpaceus
600
Drosselrohrsänger Acrocephalus arundinaceus
579

Die zahlreichen Daten, die im Laufe der Beringungssaisonen von den Ornithologen gesammelt werden, ermöglichen es, für viele Vogelarten ein umfassendes Bild über ihr zeitliches und räumliches Auftreten zu gewinnen und mehr über die Art und Weise zu erfahren, wie sie ihr Leben meistern und wie der Vogelschutz unterstützend eingreifen kann. Am Beispiel des Sumpfrohrsängers möchten wir kurz die wichtigsten Ergebnisse aufführen:
 
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Limikolenberingung an den vogel.schau.plätzen    
Limikolen - auch Watvögel genannt - gehören zu den Vogelarten mit den komplexesten und weitreichendsten Zugbewegungen. Manche Arten fliegen von ihren Brutgebieten in der arktischen Tundra in Ostsibirien Tausende Kilometer weit zu ihren Winterquartieren in West- und Südafrika. Diese gewaltige Strecke legen sie aber in nur wenigen Etappen mit langen Non-Stop-Flügen zurück.

Die Erforschung der Zugwege von Limikolen ist ein wichtiges Betätigungsfeld in der Ornithologie. Auch wir von der Beringungsstation Hohenau-Ringelsdorf arbeiten in Kooperation mit anderen Beringungsstationen an der Klärung der Rätsel und Geheimnisse, die der Limikolenzug der Ornithologen auch heute noch stellt.

Der Fang der Limikolen geschieht schonend mit dem Japannetz oder mit eigens dafür konstruierten "Walk-In-Traps", die in geeigneten Plätzen auf den Absetzbecken aufgestellt werden. Die gefangenen Watvögel werden beringt, vermessen, ihre Mauser und Kondition (Fettdepots) überprüft, gewogen und gleich darauf wieder freigelassen. Neben den Bruchwasserläufern fangen wir vor allem Bekassinen und in geringerem Ausmaß Waldwasserläufer und Flußuferläufer.
 
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Das Projekt "Tringa glareola 2000"    
Der Bruchwasserläufer Tringa glareola ist eine Limikolen-Art, die im Gegensatz zu den meisten anderen Arten (die die Küstenregion bevorzugen) in großer Zahl durch das europäische Binnenland durchzieht. Seine Brutgebiet erstreckt sich von Nordosteuropa ostwärts bis ins zentrale Sibirien. Am Weg in seine äquatornahen afrikanischen Winterquartiere überquert er in breiter Front Mitteleuropa und rastet dabei in vielen verschiedenen Feuchtgebieten. Auch an den Absetzbecken Hohenau-Ringelsdorf rasten zahlreiche Bruchwasserläufer am Durchzug im Frühling und Herbst. Die bisher größte Ansammlung wurde Ende Juni 2001 mit 234 Bruchwasserläufern gezählt.

Trotz der großen Zahl an durchziehenden Vögeln ist nur wenig über die tatsächlichen Zugwege und -Strategien bekannt. Nur das gemeinsame internationale Vorgehen von Ornithologengruppen kann hier "Licht ins Dunkel" bringen. Die Danziger Limikolenforschungsgruppe "KULING" hat daher das Projekt "Tringa glareola 2000" ins Leben gerufen. 37 verschiedene Rastgebiete in 25 europäischen Ländern werden durch ein Beobachtungs- und Beringungsnetzwerk überwacht. Auch die vogel.schau.plätze Hohenau-Ringelsdorf gehören zu diesem Netz. Wir sammeln Daten über Größe und zeitliche Verteilung der Rastbestände, Aufenthaltsdauer, Größe und Kondition der rastenden Vögel und über die Lebensraumnutzung. Zur individuellen Wiedererkennung erhalten die Bruchwasserläufer einen vierteiligen Farbring-Code an den Beinen. Als interessanten Beitrag zum Projekt gelang uns der Nachweis, daß einzelne Vögel trotz der weiten Zugstrecke rastplatztreu sein können. So wurde ein am 20.7.2000 beringter Altvogel am 19.7.2001 erneut an den Absetzbecken gesichtet.

Wenn es Ihnen gelingt, einen farbberingten Watvogel zu beobachten, können Sie mit dieser Beobachtung einen wichtigen Beitrag zur Erforschung des Zuggeschehens liefern. Bitte notieren sie Datum, Uhrzeit, Ort der Beobachtung und die genaue Farbe und Anordung der Ringe auf den Beinen (am besten auf einer Skizze) und senden Sie diese Daten an den Verein AURING oder gehen sie direkt zum Meldeformular.
 
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Beringungsübersicht    
Berichte über Aktivitäten der Beringungsstation finden Sie hier.    
   
Vermeidung von Vogelanprall an Glasflächen -
Experimentelle Untersuchungen zur Wirksamkeit von Glas-Markierungen unter natürlichen Lichtbedingungen im Flugtunnel
   

Jährlich sterben Milliarden von Vögeln durch Kollisionen mit Glasscheiben. von Wintergärten, Hochhäusern, Wellness-Centern, Lärmschutzwänden, Eisenbahn- und Busstationen. Sind es an einzelnen Scheiben jeweils nur einzelne Vögel pro Jahr summiert sich diese Zahl der tödlich verunglückten Vögel durch die Omnipräsenz von Glas, sodass in jedem Augenblick irgendwo ein Vogel in die tödliche Falle fliegt und an inneren Blutungen des Gehirns stirbt.

Seit mehr als einem Jahrzehnt ist bekannt, dass Greifvogelsilhouetten zur Abschreckung wirkungslos sind. Dennoch werden diese Aufkleber immer noch empfohlen, verkauft und angewendet.

Die Wiener Umweltanwaltschaft beauftragte 2004 den Verein AURING verschiedene Markierungen, die Glasscheiben für Vögel wahrnehmbar machen sollen, unter die Lupe zu nehmen. In den ersten beiden Jahren wurden bereits wichtige und zum Teil überraschende Ergebnisse geliefert, z.B. dass relativ schmale Streifen im Abstand von ca. 10 cm sehr gut wirksam sind, dass es aber einen sehr großen Unterschied macht, ob diese senkrecht oder waagrecht verlaufen. Senkrecht verlaufende Streifen sind wirksamer und dürfen weiter auseinander stehen als waagrechte.

2006 wurde der "Flugtunnel II" in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur (Institut f. Meteorologie) konzipiert, in Niederabsdorf hergestellt und im Bereich der Beringungsstation aufgestellt. Finanziert wurde die Anlage von ASFINAG und BMVIT (Verkehrsministerium). Dieser Versuchstunnel ist weltweit der einzige seiner Art und liefert sehr gut abgesicherte Ergebnisse über die Möglichkeiten, Glasscheiben für Vögel sichtbar zu machen.

 
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Warum ein Tunnel?

Vögel fliegen aus dem Finsteren zum Licht. Das nutzen wir aus, um jeden von uns beringten Vogel vor seiner Freilassung noch zu einem Versuchsflug in unserem Tunnel zu motivieren. Die Vögel werden an einem Ende in eine Startbox gesetzt und starten sogleich in Richtung Licht am Ende des Tunnels. Am Ende des Tunnels entscheidet sich der Vogel zwischen zwei unterschiedlichen vermeintlichen Fluchtwegen: einer führt zu einer unmarkierten Glasscheibe (Referenzscheibe), der andere zu einer markierten Scheibe. Bevor es tatsächlich zu einer Kollision mit der Scheibe kommt, wird der Vogel von einem Netz aufgefangen und sofort in die Freiheit entlassen, während die Videoaufnahme seines Fluges später ausgewertet und seine Entscheidung dokumentiert wird. Bei unwirksamen Markierungen fliegen Vögel gleich häufig zum linken wie zum rechten Fenster. Wir hatten bereits Markierungen, bei denen 100% der Vögel der markierten Scheibe ausgewichen sind und durch die nicht sichtbare unmarkierte Scheibe flüchten wollten.

 
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Im Tunnel ist es finster, kann man daraus überhaupt auf Glasscheiben schließen, die im Tageslicht stehen?

Das ist das besondere am Flugtunnel II und unterscheidet ihn von anderen Versuchstunneln. Seitlich sind Spiegel angebracht, die Sonnenlicht symmetrisch, parallel und gleichmäßig auf die Scheiben umlenken. Damit dies möglich ist, muss die Sonne immer im Rücken des Tunnels stehen. Zu diesem Zweck ist der 1 Tonne wiegende Tunnel auf einem Drehkranz gelagert und wird von Hand auf den jeweiligen Sonnenstand eingestellt.

Pro Jahr werden an der Biologischen Station Hohenau-Ringelsdorf etwa 1.000 Vögel aus ca. 45 Singvogelarten untersucht. Jede Markierung wird mit ca. 100 Einzelexperimenten untersucht, eine sehr hohe Stichprobenanzahl, die nur im Anschluss an einen sehr guten Fangplatz möglich ist. Für jeden Flug werden von 2 Pyranometern die Lichtverhältnisse gemessen und gespeichert. Somit kann das Verhalten der Vögel nach verschiedenen Einflussgrößen differenziert werden und beispielsweise die Frage beantwortet werden, ob bestimmte Markierungen nur in der Mittagszeit oder auch in der Morgendämmerung, wenn die Vögel am aktivsten sind, wirken.

 
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Was weiß man über die verwendeten Materialien?

Im Lichtlabor des Meteorologie-Istitutes der Universität für Bodenkultur werden mit einem eigens entwickelten Messverfahren, dass verschiedene Einfallswinkel der Strahlung auf die Markierungen berücksichtigt, die physikalischen Parameter der Markierungen gemessen, sodass hinterher unterschiedliche Ergebnisse auch auf unterschiedliche Materialien oder chemisch-physikalische Parameter zurückgeführt werden können (z.B.weißer Siebdruck, weiße glänzende und weiße matte Folien, unterschiedliche Hersteller, unterschiedliche UV-Reflektanz, etc.)

Was wird gerade untersucht?

Im Jahr 2007 werden Glasdekorfolien-Markierungen untersucht, die auch für das menschliche Auge wenig störend oder sogar angenehm empfunden werden. Ein großer Versuchsblock untersucht die unterschiedliche Wirksamkeit von Farben. Die Versuche 2007 werden im Auftrag der Niederösterreichischen Umweltanwaltschaft, von der Wiener Umweltanwaltschaft, der Wiener Tierschutz-Ombudsstelle, und der Para-Chemie Ges.m.b.H durchgeführt.

 
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Vermeidung von Vogelanprall an Glasflächen
Martin Rössler, Wolfgang Laube, Philipp Weihs, März 2007 (pdf, 1.4 MB)
   
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